Selbst Chuck Norris hätte sich in einem Kühlrschrank verkrochen: In einer Backhofenhitze rollte die Tour de Buchenegg über die neue Strecke von Langnau via Adliswil, Rüschlikon, Kilchberg, Leimbach, Fallätschen, Uto-Kulm und Stallikon auf die Buchenegg. Und die Tour ist definitiv erwachsen geworden: 24 Velo-Gladiatoren keuchten mehr (Adi Gnehm) oder weniger (Il Pirata Rüegg) munter auf die Passhöhe. Neben der Teilnehmerzahl stiegen auch Niveau und Spannung: Zum einen durften die Zuschauer an der Strecke erstmals Frauenwädli bestaunen (sogar gleich vier Paar davon! Als erste strampelten diejenigen von Rahel Schneider nach 1:20 Stunden über die Ziellinie). Zum anderen setzten Rookies überraschende Akzente: Andy Hutter quälte sich bei der Premiere gleich aufs Podest – hinter Sieger Martin Welti und Organisator Raphael „die Lunge“ Tschopp, dem einmal mehr nur die Silbermedaille blieb.
Selbst um die Ehrenplätze tobte Kampf bis aufs Blut: Manuel Orth schletzte es auf der Abfahrt vom Üetliberg, er erhielt nach der (trotzdem überraschend schnellen) Ankunft sofort heilenden Gerstensaft verabreicht. Einige Ränge davor lieferten sich Domink Orth und Silvio Weyermann ein Duell, das die Tour de France mit Armstrong-Contador zu einer verschwitzten Gutenachtgeschichte degradierte. Wie die Frankreich-Rundfahrt dürfte übrigens auch die Tour de Buchenegg 2009 ein Nachspiel haben: Erst die Analyse des Zielfilms entscheidet über die Sprintwertung. Und nach ebendieser Sprintwertung empfand es Linus Schweizer nicht mehr für nötig, sich an den Ehrenkodex zu halten. Der Thalwiler höselte dem Feld in Rüschlikon davon. Seine Akte liegt derzeit auf dem Schreibtisch des Einzelrichters, Disqualifikation ist sehr wahrscheinlich.
Die Kohlenhyraht-Reserven füllten sich die Fahrer vor dem Rennen übrigens nicht mehr mit flüssigen (meist alkoholisierten) Energielieferanten, sondern mit, nun ja, halbflüssigen. In der Vergangenheit standen Sponsor-Verträge mit dem Labor Fuentes und Calanda-Bräu kurz vor Abschluss. Nun tritt Hammer Nutrition als Hauptsponsor der Tour de Buchenegg auf und versorgte die Athleten mit einer Jahresration Energy-Gel. Von denen hat sich Silvio Weyermann übrigens so viele reingedrückt, dass er am entscheidenden Bergpreis Fallätschen nicht nur Rivale Domi Orth auf Distanz hielt, sondern auch zwei Drittel des Feldes – stets überwacht vom couragierten Helferteam, dem ein Dank gebührt, so fett wie der Hüftumfang von Bud Spencer.
Die Tour hat sich definitiv von der Katerfahrt zur sauber organisierten Rundfahrt entwickelt. A propos „sauber“: Ob dieses Adjektiv auf Raphael Tschopp zutraf, werden wir wohl nie erfahren. Der TdB-Rekordsieger entzog sich der Dopingkontrolle und flog unmittelbar nach der Rangverkündigung nach Mallorca ins, ähem, Regenerationscamp.
(Text: Il Pirata Rüegg)
1 Kommentar:
Ganz grosses Kino de Text, Danke Marco!
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